
Telematikinfrastruktur (TI) 2.0 – Auf einen Blick
- Was ist die TI 2.0? Die TI 2.0 ist die Weiterentwicklung der bestehenden Telematikinfrastruktur und verlagert Betrieb und Technik in zentrale Rechenzentren, um digitale Gesundheitsanwendungen sicherer, flexibler und alltagstauglicher nutzbar zu machen.
- Warum wird die TI 2.0 eingeführt? Die TI 2.0 wird als Reaktion auf steigende Anforderungen an Sicherheit, Mobilität und Stabilität eingeführt und reduziert zugleich den technischen Aufwand für Praxen und andere Leistungserbringer.
- Wie erfolgt der Zugang zur TI 2.0? Der Zugriff zur TI 2.0 erfolgt über TI-Gateway-Lösungen zertifizierter Anbieter statt über lokale Konnektoren, wodurch Wartung, Updates und Betrieb zentral übernommen werden.
- Welche Rolle spielen digitale Identitäten? Digitale Identitäten ersetzen schrittweise physische Karten und ermöglichen eine ortsunabhängige, sichere Authentifizierung von Leistungserbringern und Versicherten.
- Welche Vorteile bietet die TI 2.0 im Praxisalltag? Die TI 2.0 hat verschiedene Vorteile und sorgt unter anderem für weniger Hardware vor Ort, höhere Systemstabilität und eine bessere Grundlage für mobile und digitale Versorgungsmodelle.
Definition: Was ist die TI 2.0?
Die TI 2.0 ist die Weiterentwicklung der bestehenden Telematikinfrastruktur und reagiert auf gestiegene Anforderungen an Sicherheit, Flexibilität und Alltagstauglichkeit im Gesundheitswesen sowie die Digitalisierung. Ziel ist es, digitale Anwendungen einfacher nutzbar zu machen und gleichzeitig ein hohes Schutzniveau für sensible Gesundheitsdaten sicherzustellen.
Im Mittelpunkt steht eine modernisierte Architektur, die sich stärker an den Bedürfnissen der praktischen Versorgung orientiert. Die TI 2.0 ermöglicht flexiblere Zugangsmodelle zu Anwendungen wie der elektronischen Patientenakte (ePA) oder dem E-Rezept und reduziert technische Abhängigkeiten von lokaler Hardware. Dadurch lassen sich TI-Dienste künftig ortsunabhängiger und mobiler nutzen.
Gleichzeitig basiert die TI 2.0 auf aktuellen Sicherheitsstandards und verfolgt einen konsequenten Schutzansatz für Identitäten, Zugriffe und Daten. Sie ist damit kein paralleles System zur bisherigen TI, sondern deren schrittweise Weiterentwicklung hin zu einer serviceorientierten, zukunftsfähigen digitalen Infrastruktur.
Die Komponenten der TI 2.0
Mit der TI 2.0 wird die Telematikinfrastruktur technisch neu ausgerichtet und um zentrale Komponenten ergänzt, die Abläufe vereinfachen und flexibler machen. Im Mittelpunkt stehen Verfahren, die den Zugriff auf TI-Anwendungen auch ohne physische Gesundheitskarte oder stationäre Technik ermöglichen und gleichzeitig hohe Sicherheitsstandards gewährleisten.
Proof of Patient Presence (PoPP)
Damit medizinische Einrichtungen auf Anwendungen der TI 2.0 wie die elektronische Patientenakte zugreifen können, muss ein konkreter Versorgungskontext nachgewiesen werden. Genau hier setzt Proof of Patient Presence (PoPP) an. Das Verfahren bestätigt, dass sich Patienten zum Zeitpunkt des Zugriffs tatsächlich in einer Behandlungssituation befinden.
Ab Mitte 2026 soll dieser Nachweis auch ohne Kartenstecken möglich sein. Nutzer identifizieren sich stattdessen über ihre Gesundheits-ID, also eine digitale Identität für das Gesundheitswesen. Der Versorgungskontext kann über einen digitalen Nachweis bestätigt werden, etwa durch einen Data-Matrix-Code.
Für die Praxis bedeutet das eine deutliche Vereinfachung: Hausbesuche, mobile Einsätze oder Videosprechstunden lassen sich leichter in TI-gestützte Prozesse einbinden, ohne auf Kartenterminals oder physische Karten angewiesen zu sein.
VSDM 2.0
Das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) sorgt dafür, dass medizinisches Personal stets mit aktuellen Versichertendaten wie Name, Adresse und Versicherungsstatus arbeitet. Mit VSDM 2.0 wird dieses Verfahren grundlegend weiterentwickelt.
Künftig werden die Versichertendaten nicht mehr von der elektronischen Gesundheitskarte ausgelesen, sondern direkt bei der jeweiligen Krankenkasse abgefragt. Der Abruf erfolgt über das Primärsystem der Einrichtung – ohne lokalen Konnektor und ohne Kartenterminal.
Das macht den Zugriff deutlich flexibler und ist insbesondere für mobile Versorgungsszenarien relevant, etwa in der ambulanten Pflege oder bei Hausbesuchen. Für Versicherte bleibt der Prozess vertraut: Sie können sich weiterhin entweder mit der eGK oder alternativ mit ihrer Gesundheits-ID identifizieren.
TI-Gateway – Gateway Lösungen für den Zugang zur TI 2.0
Das TI-Gateway bildet das technische Zentrum der TI 2.0 und ersetzt den bisherigen Ansatz mit lokalen Konnektoren in Praxen und Einrichtungen. Statt Hardware vor Ort kommen zentral betriebene Highspeed-Konnektoren (HSK) in zertifizierten Rechenzentren zum Einsatz, die eine hohe Übertragungskapazität und einen stabilen Betrieb ermöglichen.
Der Zugang zur Telematikinfrastruktur erfolgt über Gateway-Lösungen, die ausschließlich von gematik-lizenzierten Anbietern betrieben werden dürfen. Die Verbindung zwischen Einrichtung und Rechenzentrum wird in der Regel über ein softwarebasiertes VPN und einen Router hergestellt. Betrieb, Wartung, Updates und Sicherheitsanpassungen liegen vollständig beim Anbieter – der technische Aufwand in der Praxis sinkt entsprechend.
Für die Authentifizierung gelten in einer Übergangsphase weiterhin die bekannten Verfahren: Leistungserbringer identifizieren sich über eHBA und SMC-B mithilfe eines Kartenterminals. Perspektivisch erweitert die TI 2.0 diesen Zugang um digitale Identitäten. Bei mobilen Zugriffen über Smartphone oder App können physische Karten durch eine digitale ID ersetzt werden.
Vorteile der Telematikinfrastruktur 2.0
Die TI 2.0 bringt vor allem durch den Einsatz hardwareunabhängiger Identitäten spürbare Verbesserungen im Betrieb und im Praxisalltag. Technische Abhängigkeiten werden reduziert, während Stabilität und Flexibilität zunehmen.
Die wichtigsten Vorteile im Überblick:
- Weniger Hardware vor Ort: Durch den Wegfall lokaler Konnektoren sinkt der Platzbedarf in Praxen und Einrichtungen deutlich.
- Höhere Systemstabilität und bessere Performance: Eine zentral betriebene Infrastruktur und moderne Servertechnologien sorgen für einen zuverlässigen und skalierbaren Betrieb.
- Zentrale Identitätsverwaltung: Mehrere Identitäten einer Organisation können gebündelt in einem Hardware Security Module (HSM-B) verwaltet werden.
- Reduzierte Anzahl an Kartenterminals: Bei mehreren Identitäten innerhalb einer Institution sind weniger Kartenterminals erforderlich, was Betrieb und Wartung vereinfacht.
- Bessere Integration in bestehende IT-Strukturen: Die Anbindung an interne E-Mail-Systeme und weitere IT-Dienste der Institution wird erleichtert.
Upgrade auf die TI 2.0 – Digitale Identitäten, Zero Trust & Co.
Der Übergang zur TI 2.0 erfolgt schrittweise und baut auf drei zentralen Bausteinen auf. Ziel ist es, den Zugang zur Telematikinfrastruktur zu vereinfachen, technische Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig hohe Sicherheitsstandards beizubehalten.
- Einführung digitaler Identitäten: Eine wesentliche Voraussetzung für die TI 2.0 sind digitale Identitäten. Medizinische Fachkräfte können sich damit ortsunabhängig identifizieren und authentifizieren, z.B. über Smartphone oder Laptop. Perspektivisch ermöglicht das neue Arbeitsformen, zum Beispiel das Fernsignieren von Dokumenten oder das Ausstellen von E-Rezepten aus der Ferne, ohne an einen festen Praxisstandort gebunden zu sein.
- Zugang zur TI 2.0 über Gateway-Lösungen: Mit der TI 2.0 ist für den Zugriff auf TI-Anwendungen kein lokaler Konnektor mehr zwingend erforderlich. Stattdessen kann der Zugang als Service über TI-Gateway-Lösungen bezogen werden, die von geprüften und zugelassenen Anbietern betrieben werden. Diese übernehmen den technischen Betrieb sowie die datenschutzrechtliche Verantwortung.
- Weiterentwicklung der Sicherheitsarchitektur: Parallel dazu wird die Sicherheitsarchitektur der Telematikinfrastruktur in Deutschland grundlegend weiterentwickelt. Die TI 2.0 setzt auf sichere Direktkommunikation, geschlossene Netze und einen Zero-Trust-Ansatz. Zugriffe werden damit konsequent geprüft und abgesichert, unabhängig vom Standort oder Endgerät. Gleichzeitig erhöht die neue Architektur die Stabilität der TI, reduziert Fehleranfälligkeiten und mindert die Auswirkungen möglicher Systemausfälle.
Häufige Fragen und Antworten
Was versteht man unter TI?
Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das sichere digitale Netzwerk des deutschen Gesundheitswesens. Sie ermöglicht den geschützten Datenaustausch zwischen Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern, Therapeuten (z.B. Physiotherapeuten oder auch Psychotherapeuten) sowie weiteren Leistungserbringern.
Wie funktioniert die TI 2.0?
Die TI 2.0 verlagert den technischen Betrieb der Telematikinfrastruktur in zertifizierte Rechenzentren. Der Zugang erfolgt über TI-Gateway-Lösungen und digitale Identitäten, wodurch lokale Konnektoren schrittweise entfallen und Anwendungen flexibler genutzt werden können.
Was ist der Unterschied zwischen TI und TI 2.0?
Während die bisherige TI auf lokalen Konnektoren und physischen Karten basiert, setzt die TI 2.0 auf zentrale Gateways, digitale Identitäten und eine serviceorientierte Architektur. Dadurch sinkt der technische Aufwand vor Ort und die Nutzung wird mobiler.
Welche Vorteile bietet die TI 2.0 für Leistungserbringer?
Die TI 2.0 reduziert Hardwareabhängigkeiten, verbessert Stabilität und Performance und ermöglicht einen flexibleren Zugriff auf TI-Anwendungen. Betrieb, Wartung und Sicherheitsupdates werden zentral übernommen, was Praxen und Einrichtungen spürbar entlastet.
Häufige Fragen und Antworten
Telematikinfrastruktur?


