Kontinenzprofile: Einschätzung und Pflegeplanung

November 3, 2026

Kontinenzprofile: Einschätzung und Pflegeplanung
Kontinenzprofile: Einschätzung und Pflegeplanung

Kontinenzprofile – Auf einen Blick

  • Was sind Kontinenzprofile? Kontinenzprofile beschreiben die Kontinenzsituation und den Unterstützungsbedarf einer Person, getrennt nach Harn- und Stuhlkontinenz.
  • Welche Profile gibt es? Das DNQP unterscheidet sechs Profile von Kontinenz über erreichte Kontinenz bis zu kompensierter oder nicht kompensierter Inkontinenz.
  • Worin unterscheiden sie sich von Inkontinenzformen? Kontinenzprofile bilden die pflegerische Versorgungssituation ab und sind keine medizinischen Diagnosen oder Schweregrade.
  • Wozu dienen Kontinenzprofile? Sie unterstützen die Festlegung individueller Pflegeziele, die Maßnahmenplanung und die regelmäßige Überprüfung der Versorgung.
  • Wie werden Kontinenzprofile sicher weitergegeben? Berechtigte Beteiligte mit TI-Anschluss und eigener KiM-Adresse können versorgungsrelevante Angaben bei bestehender Rechtsgrundlage über KiM austauschen.

Was sind Kontinenzprofile?

Kontinenzprofile erfassen die Kontinenzsituation und den Unterstützungsbedarf.Berücksichtigt werden körperliche, kognitive und soziale Einflussfaktoren, beispielsweise Mobilität, Orientierung und verfügbare Hilfe.

Das DNQP unterscheidet sechs Profile. Sie unterstützen die Pflegeplanung, sind keine medizinischen Diagnosen oder Schweregrade und von Inkontinenzformen abzugrenzen.

Ziel und Nutzen von Kontinenzprofilen

Pflegekräfte nutzen ihr fachliches Wissen und die einheitliche Beschreibung zur Abstimmung im Versorgungsteam. Durch den Vergleich von angestrebtem und tatsächlichem Profil lassen sich Veränderungen erkennen und Maßnahmen überprüfen. Die strukturierte Erfassung in der Pflegedokumentation unterstützt zudem die Qualitätssicherung in Pflegeeinrichtungen.

Die 6 verschiedenen Kontinenzprofile im Überblick

Der Expertenstandard des DNQP unterscheidet sechs Profile. Entscheidend sind unwillkürliche Verluste, notwendige Maßnahmen und der Bedarf an personeller Unterstützung.

KontinenzprofilMerkmale
KontinenzKein unwillkürlicher Verlust; keine personelle Hilfe und keine Hilfsmittel erforderlich.
Unabhängig erreichte KontinenzKein unwillkürlicher Verlust durch selbstständig durchgeführte Maßnahmen; keine personelle Unterstützung nötig.
Abhängig erreichte KontinenzKein unwillkürlicher Verlust; Maßnahmen zur Kontinenzerhaltung erfordern personelle Unterstützung.
Unabhängig kompensierte InkontinenzUnwillkürlicher Verlust; die Versorgung mit Hilfsmitteln erfolgt selbstständig.
Abhängig kompensierte InkontinenzUnwillkürlicher Verlust; die Inkontinenzversorgung erfordert personelle Unterstützung.
Nicht kompensierte InkontinenzUnwillkürlicher Verlust; Unterstützung sowie therapeutische oder versorgende Maßnahmen werden nicht genutzt.

Praxisbeispiel: Bleibt eine Person durch begleitete Toilettengänge ohne unwillkürlichen Harnverlust, liegt abhängig erreichte Kontinenz vor. Verliert sie weiterhin Urin und benötigt Hilfe beim Wechsel geeigneter Einlagen, ist ihre Inkontinenz abhängig kompensiert.

Welche Inkontinenzformen gibt es?

Inkontinenzformen beschreiben die Art des unwillkürlichen Urin- oder Stuhlverlusts. Die medizinische Diagnose erfolgt ärztlich und ist von der pflegerischen Einordnung in ein Kontinenzprofil zu unterscheiden. Zu den Formen der Harninkontinenz zählen:

Form der HarninkontinenzMerkmale
Belastungsinkontinenz / StressinkontinenzUrinverlust bei körperlicher Belastung, etwa beim Husten, Niesen oder Heben.
DranginkontinenzUrinverlust in Verbindung mit plötzlich auftretendem, starkem Harndrang.
MischinkontinenzSymptome von Belastungs- und Dranginkontinenz treten gemeinsam auf.
ÜberlaufinkontinenzUrinverlust bei chronisch unvollständiger Blasenentleerung.
ReflexinkontinenzNeurologisch bedingte Überaktivität des Blasenmuskels führt zu unwillkürlichem Urinverlust.
Extraurethrale InkontinenzUrin tritt außerhalb der Harnröhre aus, beispielsweise über eine Fistel.

Kontinenzprofile im Pflegealltag und in Pflegeeinrichtungen

Harninkontinenz kann in jedem Alter auftreten. Das Thema ist häufig mit Scham verbunden. Laut gesund.bund.de sind in Pflegeeinrichtungen bis zu 80 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner betroffen.

Im ambulanten und stationären Bereich, z.B. in der Altenpflege, ist die Profileinschätzung Teil des Pflegeprozesses:

  1. Risiko einschätzen: Bei Aufnahme der Versorgung Risikofaktoren und Anzeichen einer Inkontinenz erfassen, bei Bedarf vertieft beurteilen, Kontinenzexpertise hinzuziehen und ärztliche Abklärung abstimmen.
  2. Dokumentieren: Harn- und Stuhlprofil sowie Unterstützungsbedarf nach einem einheitlichen Muster festhalten.
  3. Planung und Beratung: Ziele und Maßnahmen gemeinsam vereinbaren; Angehörige nach Rücksprache einbeziehen.
  4. Umsetzung: Maßnahmen und Hilfsmittelversorgung bedarfsgerecht und unter Beachtung der Hygiene durchführen und dokumentieren.
  5. Überprüfen: Wirkung und Profil in individuellen Abständen sowie bei Veränderungen oder neuen Erkenntnissen erneut beurteilen.

Kontinenzförderung

Kontinenzförderung soll Fähigkeiten erhalten und Selbstständigkeit stärken. Zu den Möglichkeiten zählen Toilettenassistenz, Umgebungsanpassung oder gezieltes Training. Der DNQP-Expertenstandard umfasst seit der Aktualisierung 2024 Harn- und Stuhlkontinenz.

Medizinisch notwendige Inkontinenzprodukte sind Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung und werden in der Regel ärztlich verordnet. Bei der Auswahl aufsaugender Produkte zählen Saugstärke, Handhabung, Hüft- beziehungsweise Taillenumfang und die Verträglichkeit für die Haut.

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands zahlen Erwachsene ohne Befreiung für Verbrauchshilfsmittel zehn Prozent des Kassenbetrags, 2026 höchstens zehn Euro monatlich und ab 2027 höchstens 15 Euro. Freiwillige Mehrkosten sind von der Förderung getrennt.

Wie lassen sich Kontinenzprofile sicher zwischen Pflege und Arztpraxis weitergeben?

Eine geeignete Pflegesoftware unterstützt die strukturierte Erfassung von Kontinenzprofil, Unterstützungsbedarf und Versorgungsziel der Patienten. Über KiM lassen sich diese Angaben als Versorgungsbericht geschützt übermitteln. Voraussetzung sind berechtigte beteiligte Leistungserbringer mit TI-Anschluss und eigener KiM-Adresse auf beiden Seiten sowie eine Rechtsgrundlage für die Datenweitergabe.

Praxisbeispiel: Die Pflege übermittelt das Inkontinenzprofil „abhängig kompensierte Inkontinenz“, den individuellen Hilfebedarf beim Einlagenwechsel und das vereinbarte Versorgungsziel an die behandelnde Arztpraxis. Diese kann Rückfragen zur weiteren Abklärung über KIM stellen.

Auch Homecare-Versorger können bei entsprechender Berechtigung und Anbindung bedarfsbezogen einbezogen werden. Übermittelt werden nur die erforderlichen Angaben. Die fachliche Einschätzung und Aktualisierung des Profils bleiben Aufgabe der Pflegefachkräfte.

Häufige Fragen und Antworten

Welche Kontinenzprofile gibt es?

Das DNQP unterscheidet Kontinenz, unabhängig erreichte Kontinenz, abhängig erreichte Kontinenz, unabhängig kompensierte Inkontinenz, abhängig kompensierte Inkontinenz und nicht kompensierte Inkontinenz. Die Einordnung erfolgt für Harn- und Stuhlkontinenz getrennt.

Welche 6 Arten von Inkontinenz gibt es?

Sechs gebräuchliche Formen der Harninkontinenz sind Belastungs-, Drang-, Misch-, Überlauf-, Reflex- und extraurethrale Inkontinenz. Diese medizinische Einteilung ist von den sechs Kontinenzprofilen zu unterscheiden. Die Stuhlinkontinenz wird gesondert betrachtet.

Welche Inkontinenzform tritt am häufigsten auf?

Das hängt von Alter und Geschlecht ab. Bei Frauen ist über alle Altersgruppen hinweg die Belastungsinkontinenz am häufigsten, bei Frauen über 60 Jahren die Mischinkontinenz. Bei Männern überwiegt die Dranginkontinenz.

Natalie Przylog

Natalie Przylog

Partnermanagerin

Telekonnekt GmbH

Häufige Fragen und Antworten

Wie funktioniert die Telematikinfrastruktur?
Die Telematikinfrastruktur (TI) verbindet alle Akteure des deutschen Gesundheitswesens über ein sicheres, geschlossenes Netzwerk. Der Datenaustausch erfolgt ausschließlich verschlüsselt – über den Konnektor / das TI-Gateway, den VPN-Zugangsdienst und zertifizierte Anwendungen wie KiM oder TI-Messenger. So können Praxen, Kliniken, Apotheken und andere Einrichtungen medizinische Informationen sicher austauschen.
Was braucht man für den Anschluss an die

Telematikinfrastruktur?
Für den Anschluss an die TI sind mehrere technische Komponenten erforderlich: ein Konnektor oder ein TI-Gateway zur sicheren Verbindung, Kartenterminals zum Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte, ein Praxisausweis (SMC-B) und ein elektronischer Heilberufsausweis (eHBA) zur Authentifizierung. Hinzu kommen eine TI-kompatible Praxissoftware und ein KiM-Dienst für die verschlüsselte Kommunikation.
Was ist Telematik einfach erklärt?
Telematik bedeutet die Verbindung von Telekommunikation und Informatik. Im Gesundheitswesen ermöglicht sie den sicheren digitalen Austausch sensibler Gesundheitsdaten zwischen Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und weiteren Beteiligten. Die Telematikinfrastruktur ist also das digitale Rückgrat des Gesundheitswesens.

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