Krankenhausinformationssystem: Zentrale Basis für digitale Klinikprozesse

24.8.2026 8:55 AM

Krankenhausinformationssystem: Zentrale Basis für digitale Klinikprozesse
Krankenhausinformationssystem: Zentrale Basis für digitale Klinikprozesse

Krankenhausinformationssystem – Auf einen Blick

  • Was ist ein Krankenhausinformationssystem? Ein Krankenhausinformationssystem, kurz KIS, ist die zentrale digitale Plattform für klinische, administrative und logistische Prozesse eines Krankenhauses.
  • Welche Aufgaben übernimmt ein KIS? Es begleitet den gesamten Behandlungsfall von der Patientenaufnahme über Diagnostik und Therapie bis zur Entlassung und Abrechnung.
  • Wer arbeitet mit einem KIS? Ärztlicher Dienst, Pflege und Verwaltung greifen entsprechend ihrer Benutzerrolle auf die für ihre Aufgaben benötigten Daten und Funktionen zu.
  • Welche Vorteile bietet ein KIS? Es verbessert den Informationsfluss, reduziert Mehrfacheingaben und Medienbrüche und unterstützt dadurch effiziente Arbeitsabläufe sowie die Patientensicherheit.
  • Warum ist Interoperabilität wichtig? Sie ermöglicht den strukturierten Datenaustausch zwischen dem KIS, spezialisierten Fachanwendungen und externen Einrichtungen.

Was ist ein Krankenhausinformationssystem (KIS)? 

Der Begriff Krankenhausinformationssystem, kurz KIS, bezeichnet eine zentrale digitale Plattform, die klinische, administrative und logistische Prozesse eines Krankenhauses miteinander verbindet. Sie unterstützt die Erfassung, Verarbeitung und Speicherung relevanter Informationen über den gesamten Behandlungsverlauf hinweg.

Bei der Nutzung des KIS können berechtigte Ärzte, Pflegekräfte und Verwaltungsmitarbeitende beispielsweise auf die klinikinterne digitale Patientenakte zugreifen, Termine koordinieren, Laborergebnisse einsehen oder Behandlungen dokumentieren. Dabei werden ihnen abhängig von ihrer jeweiligen Aufgabe genau die Daten und Funktionen bereitgestellt, die sie für ihre Arbeit benötigen.

Durch die zentrale Datenhaltung stehen aktuelle Informationen abteilungsübergreifend zur Verfügung. Das reduziert papierbasierte Abläufe, vermeidet unnötige Rückfragen und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Medizin, Pflege und Verwaltung. Damit bildet das KIS die digitale Schaltzentrale für die Abläufe und Informationswege eines Krankenhauses.

Die Bestandteile eines Krankenhausinformationssystems

Ein Krankenhausinformationssystem besteht aus einer Vielzahl technischer Komponenten und Funktionalitäten, die den Informationsfluss innerhalb des Krankenhauses ermöglichen. In ihrer Gesamtheit vernetzen sie klinische und administrative Bereiche und stellen benötigte Daten für unterschiedliche Aufgaben bereit.

Zu den zentralen Bestandteilen gehören:

  • Krankenhauskommunikationssystem (KKS): Es verbindet die verschiedenen Systeme und Arbeitsplätze auf Stationen, in Behandlungszimmern, Laboren, der Radiologie und der Verwaltung. Dadurch können beispielsweise Untersuchungsaufträge und Ergebnisse digital übermittelt werden.
  • Informationsverarbeitende Funktionen: Sie ermöglichen es, Daten zu erfassen, zu speichern, zu bearbeiten und aus den angebundenen Datenbeständen abzurufen.
  • Wissensverarbeitende Funktionen: Sie unterstützen das Entscheidungsmonitoring und können medizinische sowie organisatorische Entscheidungen auf Grundlage verfügbarer Informationen begleiten.

Funktionen des Krankenhausinformationssystems

Ein Krankenhausinformationssystem verwaltet Patientenstamm- und Falldaten, unterstützt die medizinische und pflegerische Dokumentation und koordiniert Untersuchungen sowie Behandlungen. Auch Arztbriefe, OP-Berichte und Laborergebnisse können darin erstellt oder hinterlegt werden.

Planung, Steuerung und Abrechnung

Das KIS unterstützt Krankenhäuser bei der Planung und Steuerung medizinischer sowie pflegerischer Abläufe. Termine, Untersuchungsaufträge und Behandlungen für Patienten können koordiniert und entlang definierter Behandlungspfade organisiert werden. Bereits erfasste Daten lassen sich außerdem für Arztbriefe, OP-Berichte und interne Auswertungen weiterverwenden.

Für die Abrechnung werden Diagnosen und erbrachte Leistungen strukturiert dokumentiert und den jeweiligen Behandlungsfällen zugeordnet. Dabei kommen unter anderem ICD- und OPS-Codes sowie DRG-Fallpauschalen zum Einsatz. Das KIS bereitet die erforderlichen Falldaten für die Abrechnung mit Krankenkassen, privaten Krankenversicherungen oder Selbstzahlern auf.

Betriebsdatenerfassung

Ein KIS kann erbrachte Leistungen, eingesetzte Materialien und Sachkosten erfassen. Darüber hinaus unterstützt es je nach Funktionsumfang Materialbestellungen, Lagerverwaltung und Genehmigungsprozesse. Verbrauchsmaterialien lassen sich dabei konkreten Behandlungsfällen zuordnen.

Erreichte Reifegrade

Der digitale Reifegrad eines Krankenhauses hängt davon ab, wie umfassend das KIS in die klinischen Abläufe eingebunden ist und welche Fachanwendungen angeschlossen sind. Da die technische Entwicklung und neue gesetzliche Anforderungen fortlaufende Anpassungen erfordern, werden Gesamtsysteme und spezialisierte Lösungen kombiniert. Standards wie HL7 (Health Level 7), DICOM und ISiK erleichtern den erforderlichen Datenaustausch.

Verfügbarkeit von Daten und Datenschutz

Rollenbasierte Berechtigungen stellen sicher, dass Mitarbeitende nur auf die für ihre Aufgaben erforderlichen Daten zugreifen. Protokollierungen machen Zugriffe und Änderungen nachvollziehbar.

Da im KIS besonders schützenswerte Gesundheitsdaten verarbeitet werden, gelten hohe Anforderungen an Datenschutz und Informationssicherheit. Verschlüsselung, regelmäßige Datensicherungen, redundante Systeme und geregelte Notfallprozesse sollen die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit der Daten schützen. Auch bei technischen Störungen muss die Versorgung durch geeignete Ausfallkonzepte aufrechterhalten werden können.

Cloud-Lösungen

Cloudbasierte und hybride KIS-Lösungen können den Aufwand für die eigene IT-Infrastruktur reduzieren und Aktualisierungen vereinfachen. Vor der Einführung sind insbesondere Datenstandort, Zugriffsregelungen, Verfügbarkeit, Sicherheitsnachweise und Möglichkeiten zur Datenmigration zu prüfen. Die Verantwortung für Datenschutz und Informationssicherheit bleibt beim Krankenhaus.

Vorteile eines Krankenhausinformationssystems

Ein Krankenhausinformationssystem führt medizinische, pflegerische und administrative Informationen an einer zentralen Stelle zusammen. Dadurch unterstützt es die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen und erleichtert zahlreiche Abläufe von der Patientenaufnahme bis zur Entlassung und Abrechnung.

Ein bedarfsgerecht eingerichtetes KIS kann zur Verbesserung der Arbeitsabläufe, der Informationswege und der Qualität der Patientenversorgung beitragen. Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:

  • Bessere Zusammenarbeit: Aktuelle Informationen stehen berechtigten Mitarbeitenden abteilungsübergreifend zur Verfügung.
  • Höhere Patientensicherheit: Medikationsdaten, Laborwerte und Warnhinweise können Fehler und unvollständige Angaben erkennbar machen.
  • Effizientere Abläufe: Automatisierte Prozesse und die Weiterverwendung bereits erfasster Daten reduzieren Mehrfacheingaben und Medienbrüche.
  • Schneller Datenzugriff: Benötigte Informationen sind auf der Station, im OP und in der Verwaltung unmittelbar abrufbar.
  • Unterstützung gesetzlicher Vorgaben: Zugriffsrechte, Protokollierungen und Archivierungsfunktionen erleichtern die Umsetzung von Dokumentations- und Nachweispflichten.
  • Wirtschaftliche Transparenz: Auswertungen zur Bettenbelegung, Materialwirtschaft und Leistungserbringung unterstützen das Management bei der Ressourcenplanung.

Interoperabilität als Grundlage digitaler Versorgungsprozesse

Kliniken nutzen neben dem KIS zahlreiche spezialisierte Anwendungen. Interoperabilität ermöglicht es, Informationen zwischen diesen Systemen auszutauschen, eindeutig zuzuordnen und für weitere medizinische oder administrative Prozesse zu verwenden.

Eine zentrale Integrationsschicht bündelt die Verbindungen zwischen dem KIS, den Fachanwendungen und externen Diensten. Über geeignete Schnittstellen lassen sich zudem Anwendungen und Dienste der Telematikinfrastruktur (TI), z.B. KiM und die elektronische Patientenakte (ePA), in klinische Prozesse einbinden. Dadurch stehen relevante Informationen direkt in der gewohnten Arbeitsumgebung zur Verfügung und Systemwechsel, Mehrfacheingaben sowie Medienbrüche werden reduziert.

Häufige Fragen und Antworten

Welche Krankenhausinformationssysteme gibt es?

Krankenhausinformationssysteme lassen sich grundsätzlich in integrierte Gesamtsysteme und modular aufgebaute Lösungen unterteilen. Je nach IT-Strategie werden sie lokal im Krankenhaus, vollständig in der Cloud oder in einer hybriden Umgebung betrieben.

Was ist ein Krankenhausinformationssystem?

Ein Krankenhausinformationssystem, kurz KIS, ist eine zentrale digitale Plattform zur Organisation klinischer, administrativer und logistischer Prozesse. Es begleitet den Behandlungsfall von der Patientenaufnahme über Diagnostik und Therapie bis zur Entlassung und Abrechnung.

Welche Informationssysteme werden in Krankenhäusern eingesetzt?

Neben dem zentralen KIS nutzen Krankenhäuser spezialisierte Systeme, wie zum Beispiel Laborinformationssysteme, Radiologieinformationssysteme, Bildarchive, Patientendatenmanagementsysteme sowie Anwendungen für Apotheke, OP-Planung und Abrechnung. Über Schnittstellen werden diese Fachanwendungen miteinander verbunden und relevante Informationen ausgetauscht.

Häufige Fragen und Antworten

Wie funktioniert die Telematikinfrastruktur?
Die Telematikinfrastruktur (TI) verbindet alle Akteure des deutschen Gesundheitswesens über ein sicheres, geschlossenes Netzwerk. Der Datenaustausch erfolgt ausschließlich verschlüsselt – über den Konnektor / das TI-Gateway, den VPN-Zugangsdienst und zertifizierte Anwendungen wie KiM oder TI-Messenger. So können Praxen, Kliniken, Apotheken und andere Einrichtungen medizinische Informationen sicher austauschen.
Was braucht man für den Anschluss an die

Telematikinfrastruktur?
Für den Anschluss an die TI sind mehrere technische Komponenten erforderlich: ein Konnektor oder ein TI-Gateway zur sicheren Verbindung, Kartenterminals zum Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte, ein Praxisausweis (SMC-B) und ein elektronischer Heilberufsausweis (eHBA) zur Authentifizierung. Hinzu kommen eine TI-kompatible Praxissoftware und ein KiM-Dienst für die verschlüsselte Kommunikation.
Was ist Telematik einfach erklärt?
Telematik bedeutet die Verbindung von Telekommunikation und Informatik. Im Gesundheitswesen ermöglicht sie den sicheren digitalen Austausch sensibler Gesundheitsdaten zwischen Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und weiteren Beteiligten. Die Telematikinfrastruktur ist also das digitale Rückgrat des Gesundheitswesens.

Häufige Fragen und Antworten

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