
Stomaversorgung – Auf einen Blick
- Was umfasst die Stomaversorgung? Die Stomaversorgung umfasst die Auswahl und Anpassung des Versorgungssystems, dessen Wechsel und Reinigung sowie die Pflege des Stomas und der umliegenden Haut.
- Welche Versorgungssysteme gibt es? Bei Darm- und Urostomata kommen ein- oder zweiteilige Beutelsysteme zum Einsatz, die individuell an Stoma, Hautzustand und Ausscheidungen angepasst werden.
- Wer unterstützt bei der Versorgung? Pflegefachkräfte übernehmen Pflege und Anleitung, während Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser zur Produktauswahl beraten und die Materialversorgung organisieren.
- Was übernimmt die Krankenkasse? Die Krankenkasse übernimmt medizinisch notwendige Stomaartikel unabhängig vom Pflegegrad, wobei gesetzliche Zuzahlungen und gegebenenfalls Mehrkosten anfallen können.
- Wie unterstützt die TI die Zusammenarbeit? Über KiM können berechtigte Beteiligte mit TI-Anschluss und eigener KiM-Adresse Versorgungsberichte und Rückfragen geschützt austauschen.
Was ist die Stomaversorgung?
Ein Stoma ist eine durch eine Operation geschaffene Körperöffnung, die je nach Art der Ausscheidung, Ernährung oder Atmung dient. Bei einem Darm- oder Urostoma nimmt ein individuell angepasstes Stomasystem den austretenden Stuhl beziehungsweise Urin auf. Ein Kolostoma wird meist an der linken Unterbauchseite angelegt. Ein Ileostoma befindet sich meist am rechten Unterbauch. In Deutschland leben rund 160.000 Menschen mit einem Stoma.
Die Stomaversorgung umfasst die Auswahl und Anpassung des Systems, den Wechsel oder die Reinigung seiner Bestandteile sowie die Pflege des Stomas und der umliegenden Haut. Ziel ist eine sichere, dichte und hautschonende Versorgung, die Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alltag unterstützt.
Die verschiedenen Stomaversorgungssysteme
Bei Darm- und Urostomata kommen zwei Systemvarianten zum Einsatz:
- Einteilig: Hautschutzplatte und Beutel bilden eine Einheit und werden gemeinsam gewechselt.
- Zweiteilig: Der Beutel wird separat gewechselt; die Basisplatte kann auf der Haut bleiben.
Je nach Ausscheidung werden unterschiedliche Beutel verwendet:
- Geschlossene Beutel: für überwiegend festen Stuhlgang.
- Ausstreifbeutel: für breiigen bis flüssigen Stuhl; sie lassen sich über eine Öffnung in die Toilette entleeren.
- Urostomiebeutel: mit Rückflusssperre und Ablassventil für Urin.
Bei geeigneten Kolostomata kann eine Stomakappe das Stoma zeitweise abdecken, beispielsweise nach fachlich angeleiteter Darmspülung (Irrigation). Für High-Output-Versorgungen gibt es zusätzliche Auffangbeutel mit produktabhängig etwa 2.000 ml Volumen.
Stomaart, Lage, Form, Haut und Alltag bestimmen, welches System der Patient benötigt, und die Passform wird regelmäßig überprüft. Gastrostomata erfordern Sondenernährung und Spülen der Sonde, Tracheostomata Reinigung und Wechsel der Kanüle sowie Sekretmanagement.
Hautschutz und Wundversorgung
Die Öffnung der Hautschutzplatte wird passend zur Stomagröße zugeschnitten oder vorgefertigt gewählt, damit die umliegende Haut vor Ausscheidungen geschützt ist. Herstellerabhängig kann Anwärmen zwischen den Händen vor dem Gebrauch die Haftung unterstützen.
Zur Reinigung eignen sich warmes Wasser, bei Bedarf pH-neutrale Seife und weiche Einmalmaterialien. Anschließend wird die Haut getrocknet. Aggressive oder fettende Mittel, routinemäßige Desinfektion, wiederverwendbare Schwämme, Enthaarungscremes und offene Rasierklingen sollten vermieden werden.
Rötungen, Nässen, Juckreiz, Schmerzen und Undichtigkeiten erfordern eine fachliche Prüfung von Passform und Verträglichkeit. Offene Hautstellen und postoperative Wunden benötigen eine professionelle Behandlung zur Unterstützung der Abheilung.
Stomaversorgung durch Pflegefachkräfte
Pflegefachkräfte unterstützen Stomaträger vorübergehend oder dauerhaft beim Systemwechsel, kontrollieren die Haut und dokumentieren Auffälligkeiten. Spezialisierte Stomatherapeuten beraten zur Produktauswahl und beurteilen die Passform. Sie leiten Betroffene und Angehörige zur Selbstversorgung an. Behandlungsbedürftige Veränderungen und auffällige Blutungen werden mit der Arztpraxis abgeklärt.
Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser beraten zu geeigneten Hilfsmitteln und organisieren die Nachversorgung. Medizinische Entscheidungen trifft die Arztpraxis. Ärztlich verordnete häusliche Krankenpflege kann insbesondere bei behandlungsbedürftigen Hautveränderungen oder zur Anleitung infrage kommen.
Stomaversorgung und Pflegegrad
Ein Stoma allein begründet keinen Pflegegrad. Maßgeblich sind Einschränkungen der Selbstständigkeit, etwa beim Beutelwechsel oder der Hautpflege; weitere körperliche, kognitive und psychische Beeinträchtigungen werden mitbewertet.
Versicherte beantragen den Pflegegrad bei ihrer Pflegekasse. Ab Pflegegrad 2 können ambulante Pflegesachleistungen genutzt werden, bei Pflegegrad 1 unter bestimmten Voraussetzungen der Entlastungsbetrag. Der Anspruch auf medizinisch notwendige Stomaartikel über die Krankenkasse besteht unabhängig davon.
Übergabecheckliste Stomaversorgung
Das Krankenhaus übermittelt Praxis, Pflegedienst und Versorger die für eine lückenlose Nachversorgung erforderlichen Informationen:
- Ausgangslage: Stomaart, Operationsdatum, Grunderkrankung, dauerhafte oder vorübergehende Stomaanlage.
- Stoma und Haut: Lage, Form, Größe, Hautveränderungen und Wunden.
- System: Hersteller, Produkt, ein- oder zweiteiliges System, Plattengröße und Zubehör.
- Wechselroutine: Tragedauer, Reinigung, Hautschutz, bekannte Undichtigkeiten und Unverträglichkeiten.
- Unterstützung: Selbstversorgungsfähigkeit, Schulungsstand und beteiligte Angehörige oder Pflegefachkräfte.
- Nachversorgung: Verordnung, Materialbestand, Versorger, Lieferweg, Kontrolltermine und Ansprechpersonen.
Die Wechselhäufigkeit richtet sich individuell nach Stomaart, System, Ausscheidungen und Hautzustand. Bei Undichtigkeiten oder Hautveränderungen sollte die Versorgung zeitnah fachlich überprüft werden.
Digitalisierung bei der Stomaversorgung: Telematikinfrastruktur und Co.
Eine Pflegesoftware kann Hautbeobachtungen, Maßnahmen und Materialbedarf in der Pflegedokumentation zusammenführen. Über KiM tauschen berechtigte Beteiligte Versorgungsberichte, Fotos und Rückfragen geschützt aus. Voraussetzung sind ein TI-Anschluss und eine KIM-Adresse auf beiden Seiten sowie eine Rechtsgrundlage für die Übermittlung.
Elektronische Hilfsmittelverordnungen sind noch kein flächendeckender Standard; ihre verpflichtende Nutzung ist gesetzlich ab dem 1. Juli 2027 vorgesehen. Die TI-Anbindung ist für Hilfsmittelerbringer bis zum 1. Oktober 2027 vorgeschrieben, für Pflegeeinrichtungen bereits seit Juli 2025.
Wichtig zu wissen: Ein TI-Anschluss gewährt Homecare-Unternehmen und Sanitätshäusern keinen pauschalen ePA-Zugriff. Dafür gelten gesonderte gesetzliche Berechtigungen und die Voraussetzungen des jeweiligen Versorgungskontexts.
Häufige Fragen und Antworten
Was ist Versorgung mit Stoma?
Die Versorgung mit Stoma umfasst die Auswahl und Anpassung eines geeigneten Versorgungssystems sowie dessen regelmäßigen Wechsel. Hinzu kommen die Reinigung des Stomas, der Schutz der umliegenden Haut und die Kontrolle auf Veränderungen am Körper. Beratung, Anleitung, praktische Tipps und eine verlässliche Materialversorgung unterstützen Betroffene im Alltag.
Was ist ein Stoma und welche Stoma-Arten gibt es?
Ein Stoma ist eine operativ angelegte Körperöffnung. Zu den wichtigsten Arten gehören das Enterostoma als künstlicher Darmausgang, das Urostoma zur Harnableitung, das Gastrostoma für die Ernährung über den Magen und das Tracheostoma als Öffnung der Luftröhre. Beim Enterostoma wird zusätzlich zwischen Kolostoma und Ileostoma unterschieden.
Was zahlt die Krankenkasse für die Stomaversorgung?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt medizinisch notwendige Stomaartikel wie Beutel, Hautschutzplatten und erforderliches Zubehör. Versicherte zahlen bei diesen zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln zehn Prozent je Packung, höchstens jedoch zehn Euro für den gesamten Monatsbedarf – sofern keine Zuzahlungsbefreiung besteht.
Häufige Fragen und Antworten
Telematikinfrastruktur?
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