
Wundmanagement – Auf einen Blick
- Was umfasst das Wundmanagement? Das Wundmanagement reicht von Anamnese und Wundbeurteilung über Therapie und Verlaufskontrolle bis zur Dokumentation und Koordination aller Beteiligten.
- Welche Ziele verfolgt das Wundmanagement? Es soll die Wundheilung unterstützen, Komplikationen vorbeugen, Schmerzen reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen erhalten.
- Wer ist am Wundmanagement beteiligt? Ärzte, Pflegekräfte, Wundexperten sowie Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser arbeiten mit klar voneinander abgegrenzten Aufgaben zusammen.
- Wie unterscheiden sich traditionelle und moderne Wundversorgung? Trockene Auflagen dienen vor allem der Erstversorgung, während hydroaktive Wundauflagen besonders bei chronischen Wunden ein kontrolliertes Wundmilieu schaffen.
- Wie unterstützt die TI das Wundmanagement? KiM ermöglicht angebundenen Beteiligten den geschützten Austausch von Befunden, Fotos und Wundverläufen; kurze Rückfragen können zusätzlich über einen TI-Messenger erfolgen.
Was ist das Wundmanagement?
Das Wundmanagement umfasst alle Maßnahmen von der Anamnese und Wundbeurteilung über die Planung der Wundtherapie und Versorgung bis zur Verlaufskontrolle und Wunddokumentation.
Die unmittelbare Wundversorgung mit Wundreinigung und Verbandwechsel ist nur ein Teil davon. Chronische oder komplexe Wunden erfordern eine abgestimmte Zusammenarbeit unter Beteiligung qualifizierter Wundexperten.
Ziele des Wundmanagements
Das Wundmanagement soll den Heilungsprozess unterstützen. Zentrale Ziele sind:
- die Wunde fach- und phasengerecht behandeln,
- Schmerzen und Einschränkungen reduzieren,
- Infektionen, Wundheilungsstörungen und Rezidiven vorbeugen,
- die Lebensqualität erhalten und den Alltag erleichtern.
Die Pflegedokumentation macht Veränderungen nachvollziehbar und unterstützt die Anpassung der Behandlung an die Heilungsphase.
Einsatzbereiche und Akteure des Wundmanagements
Professionelles Wundmanagement findet in Kliniken, der stationären und außerklinischen Intensivpflege, Pflegeeinrichtungen sowie in der ambulanten und häuslichen Versorgung statt. Das passende Umfeld richtet sich nach Wundart, Begleiterkrankungen und Unterstützungsbedarf.
Die Aufgaben verteilen sich auf unterschiedliche Beteiligte:
- Ärzte klären die Wundursache und verantworten die medizinische Wundtherapie sowie die erforderlichen Verordnungen.
- Pflegefachkräfte und qualifizierte Wundexperten führen angeordnete Maßnahmen durch, beurteilen den Verlauf, wechseln Verbände und dokumentieren Veränderungen. Für Zusatzqualifikationen wie „Wundexperte ICW®“ absolvieren sie einen entsprechenden Kurs. Ein qualifizierter Referent vermittelt dabei Fachwissen zur Wundbehandlung und Dokumentation.
- Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser stellen verordnete Wundauflagen und Hilfsmittel bereit und beraten zur Anwendung. Medizinische Entscheidungen treffen sie nicht.
- Weitere Fachkräfte, darunter entsprechend qualifizierte Fachtherapeuten für Wundversorgung, werden abhängig vom Krankheitsbild einbezogen.
In der häuslichen Versorgung kontrollieren die Pflegekräfte des Pflegedienstes die Wunde und informieren bei Veränderungen die Arztpraxis. Diese passt gegebenenfalls die Therapie an, während der Homecare-Versorger die benötigten Materialien bereitstellt. Als fachlicher Qualitätsmaßstab dient unter anderem der DNQP-Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“.
Verschiedene Formen der Wundversorgung
Grundsätzlich wird zwischen traditioneller und moderner Wundversorgung unterschieden. Welche Form und welche Wundauflage geeignet sind, richtet sich nach Wundart, Heilungsphase, Exsudatmenge und individuellem Behandlungsziel.
Traditionelle Wundversorgung
Bei der traditionellen Wundversorgung werden trockene Materialien wie Mullkompressen oder Pflaster eingesetzt. Sie dienen vor allem dazu, unkomplizierte akute Wunden bei der Erstversorgung abzudecken, Wundsekret aufzunehmen und die betroffene Stelle vor äußeren Einflüssen zu schützen.
Für die langfristige Behandlung vieler chronischer Wunden sind trockene Wundauflagen weniger geeignet. Sie können die Wunde austrocknen oder mit dem Wundgrund verkleben. Dadurch kann der Verbandwechsel schmerzhaft sein und neu gebildetes Gewebe verletzen.
Moderne Wundversorgung
Die moderne Wundversorgung nutzt spezialisierte, häufig hydroaktive Verbandstoffe. Je nach Produkt nehmen sie überschüssiges Exsudat auf oder führen Feuchtigkeit zu. Das kontrollierte Wundmilieu unterstützt die Heilung, vermindert ein Verkleben mit dem Wundgrund und kann Verbandwechsel gewebeschonender und weniger schmerzhaft machen.
Je nach Wundzustand kann ein fachgerecht durchgeführtes Debridement erforderlich sein, bei dem abgestorbenes Gewebe und Beläge entfernt werden. Bei geeigneten Wunden kann zudem eine ärztlich angeordnete Vakuumtherapie Exsudat ableiten und die Bildung von Granulationsgewebe unterstützen. Die Behandlung muss regelmäßig an Wundzustand und Therapieziel angepasst werden.
Wundheilung und die verschiedenen Wundheilungsphasen
Bei der Wundheilung repariert der Körper geschädigtes Gewebe und verschließt die Wunde. Der Prozess wird in drei ineinander übergehende Phasen unterteilt:
- Exsudations- und Reinigungsphase: Die Blutgerinnung stoppt die Blutung, während Wundexsudat und Abwehrzellen die Wunde reinigen.
- Granulations- oder Reparaturphase: Neue Blutgefäße und Bindegewebszellen bilden Granulationsgewebe, das den Defekt auffüllt.
- Epithelisierungs- und Wiederaufbauphase: Neue Hautzellen verschließen die Oberfläche, anschließend wird das Narbengewebe gefestigt.
Primäre und sekundäre Wundheilung
Bei der primären Wundheilung liegen die Ränder einer sauberen Wunde eng zusammen oder werden medizinisch verschlossen. Meist entsteht nur eine schmale Narbe.
Bei der sekundären Wundheilung bleibt ein größerer Defekt offen und wird mit Granulationsgewebe aufgefüllt. Die Heilung dauert länger und hinterlässt häufig eine deutlichere Narbe.
Wundmanagement bei Menschen mit chronischen Wunden
Zu den häufigsten chronischen Wunden zählen der Dekubitus, das Ulcus cruris und das diabetische Fußulcus. Eine Wunde gilt als chronisch, wenn sie trotz fachgerechter Behandlung über mehrere Wochen nicht abheilt. Abhängig von der Ursache kann sie bereits von Beginn an als chronisch eingestuft werden.
Häufige Ursachen sind venöse oder arterielle Gefäßerkrankungen sowie Folgeschäden eines Diabetes. Seltener liegen tumorbedingte Wunden oder postoperative Wundheilungsstörungen vor. Deshalb genügt die lokale Wundbehandlung allein meist nicht: Das Wundmanagement berücksichtigt Wundart, Heilungsphase, Exsudat, Infektionsrisiko und Schmerzen ebenso wie die zugrunde liegende Erkrankung. Mögliche Maßnahmen sind geeignete Wundauflagen, Druckentlastung und eine ärztlich abgestimmte Kompression.
Eine ambulante oder häusliche Versorgung ist möglich, wenn qualifizierte Fachkräfte, geeignete Materialien und klare Abstimmungswege vorhanden sind. Gemeinsam mit den Betroffenen werden realistische Ziele festgelegt: möglichst die Wundheilung, mindestens aber weniger Beschwerden und eine bessere Lebensqualität.
Digitalisierung im Wundmanagement: TI und Co.
Digitale Lösungen führen Wundbefunde, Fotos, Maßnahmen und Materialbedarf strukturiert zusammen. Eine digitale Wunddokumentation als Bestandteil der Pflegedokumentation erleichtert die Verlaufskontrolle, während die Telematikinfrastruktur den geschützten Austausch zwischen Einrichtungen ermöglicht.
Über KiM lassen sich Befunde, Wundverläufe und Aufnahmen aus der Fotodokumentation sicher an angeschlossene Arztpraxen oder Pflegeeinrichtungen übermitteln. Voraussetzung sind ein TI-Anschluss und eine KiM-Adresse auf beiden Seiten. Kurze Rückfragen können bei verfügbarem Dienst über einen TI-Messenger erfolgen.
Digitale Wundvisiten ermöglichen es, im Rahmen der Telepflege Verläufe zu besprechen und Fachkräfte einzubeziehen. Eine notwendige Versorgung vor Ort ersetzen sie nicht. Berechtigte Pflegeeinrichtungen können außerdem relevante ePA-Dokumente berücksichtigen; für Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser besteht kein pauschaler Zugriff.
Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen sind seit dem 1. Juli 2025 zur TI-Anbindung verpflichtet. Erforderlich sind unter anderem ein TI-Zugang, eine Institutionskarte, die benötigten Berufsausweise und eine kompatible Software.
Häufige Fragen und Antworten
Was gehört zum Wundmanagement?
Zum Wundmanagement gehören die Anamnese, Wundbeurteilung, Ursachenklärung und Therapieplanung. Hinzu kommen Wundreinigung, Auswahl geeigneter Wundauflagen, Verbandwechsel, Schmerzmanagement, Verlaufskontrolle, Dokumentation sowie die Beratung der Betroffenen. Auch die Koordination aller beteiligten Fachkräfte ist ein wichtiger Bestandteil.
Wer darf Wundmanagement machen?
Wundmanagement gehört in die Hände entsprechend qualifizierter Fachkräfte. Ärzte verantworten Diagnose, Therapieentscheidungen und Verordnungen. Qualifizierte Pflegekräfte sowie ausgebildete Wundexperten übernehmen innerhalb ihrer Kompetenzen die praktische Versorgung, Beobachtung und Dokumentation. Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser unterstützen bei der Bereitstellung und Anwendung verordneter Produkte.
Welche 3 Wundarten gibt es?
Im Zusammenhang mit chronischen Wunden stehen häufig drei Krankheitsbilder im Mittelpunkt: der Dekubitus als druckbedingte Wunde, das Ulcus cruris am Unterschenkel und das diabetische Fußulcus. Darüber hinaus können Wunden nach weiteren Kriterien wie Ursache, Entstehung und Heilungsverlauf eingeteilt werden.
Häufige Fragen und Antworten
Telematikinfrastruktur?
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