Elektronische Patientenakte (ePA) für alle: Das Kernelement der Digitalisierung im Gesundheitswesen

19.5.2026 2:35 PM

Elektronische Patientenakte (ePA) für alle: Das Kernelement der Digitalisierung im Gesundheitswesen
Elektronische Patientenakte (ePA) für alle: Das Kernelement der Digitalisierung im Gesundheitswesen

ePA für alle – Auf einen Blick

  • Was bedeutet ePA für alle? Die ePA für alle bezeichnet die elektronische Patientenakte im Opt-out-Verfahren. Seit 2025 erhalten gesetzlich Versicherte automatisch eine ePA, sofern sie nicht widersprochen haben.
  • Warum ist die ePA für alle so wichtig? Die ePA bündelt Gesundheitsdaten wie Befunde, Arztbriefe und Medikationsinformationen zentral an einem Ort. Dadurch können Leistungserbringer schneller auf relevante Informationen zugreifen und Behandlungen besser abstimmen.
  • Was können Versicherte selbst entscheiden? Versicherte können der ePA widersprechen, Zugriffe steuern und Dokumente ausblenden oder löschen. Die elektronische Patientenakte bleibt damit kontrollierbar und wird nicht automatisch für alle Leistungserbringer vollständig sichtbar.
  • Welche Rolle spielt die elektronische Medikationsliste? Die elektronische Medikationsliste wird aus dem E-Rezept-Fachdienst befüllt und zeigt verordnete Arzneimittel übersichtlich an. Sie unterstützt Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser dabei, Wechselwirkungen und Medikationsfehler besser zu vermeiden.
  • Was bedeutet die ePA für Leistungserbringer? Seit dem 1. Oktober 2025 müssen Praxen, Krankenhäuser und Apotheken die ePA im Versorgungsalltag nutzen. Voraussetzung sind eine aktuelle TI-Anbindung, passende Softwaremodule und klar geregelte interne Prozesse.

Was bedeutet „ePA für alle“?

Die ePA für alle bezeichnet die elektronische Patientenakte im Opt-out-Verfahren. Zum Start der ePA am 15. Januar 2025 wurde allen gesetzlich Versicherten automatisch eine elektronische Patientenakte bereitgestellt, sofern sie nicht widersprochen haben. Damit unterscheidet sich die neue ePA vom früheren Modell, bei dem Versicherte die Akte aktiv beantragen mussten.

In der elektronischen Patientenakte können Gesundheitsdaten wie Befunde, Arztbriefe, Medikationsinformationen und weitere medizinische Dokumente zentral gespeichert und im Behandlungskontext genutzt werden. Ein wichtiger Bestandteil ist die elektronische Medikationsliste (eML), die elektronisch verordnete Arzneimittel aus dem E-Rezept-Fachdienst übernimmt.

Von der freiwilligen Akte zur automatischen Einrichtung

Mit dem neuen Modell wurde das bisherige Opt-in-Modell abgelöst. Statt die Akte aktiv beantragen zu müssen, erhalten gesetzlich Versicherte seit 2025 automatisch eine ePA, sofern kein Widerspruch erfolgt.

Die Krankenkassen stellen die Akte auch für Kinder und Jugendliche bereit. Ab 15 Jahren können Jugendliche selbst über die Nutzung entscheiden. Für Leistungserbringer bedeutet das: Sie arbeiten zunehmend mit einer zentral verfügbaren Akte, die schrittweise mit relevanten Gesundheitsdaten befüllt wird.

Opt-out: Was Versicherte entscheiden können

Die ePA für alle wird automatisch eingerichtet, bleibt aber für Versicherte kontrollierbar. Wer keine elektronische Patientenakte nutzen möchte, kann bei seiner Krankenkasse widersprechen. Dieses Opt-out-Verfahren gilt auch für mitversicherte Kinder, sofern die Sorgeberechtigten den Widerspruch einlegen.

Versicherte können damit selbst entscheiden, ob sie die ePA grundsätzlich nutzen möchten. Zusätzlich lassen sich Zugriffe und Berechtigungen steuern, sodass nicht jeder Leistungserbringer automatisch alle Inhalte sieht. Die ePA bleibt also keine frei einsehbare Datenablage, sondern eine Akte mit klar geregelten Rechten.

Die elektronische Patientenakte 3.1.3

Mit der Ausbaustufe ePA 3.1.3 wird die elektronische Patientenakte weiterentwickelt und stärker auf die praktische Nutzung im Versorgungsalltag ausgerichtet. Ziel ist es, medizinische Informationen nicht nur zentral abzulegen, sondern schneller auffindbar, besser nutzbar und für Versicherte transparenter zu machen.

Zu den wichtigsten Erweiterungen gehören:

  • Elektronischer Medikationsplan: Die Medikation kann vollständiger dargestellt werden, auch nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel lassen sich berücksichtigen.
  • Volltextsuche: Inhalte in abgelegten Dokumenten können gezielt durchsucht werden, sodass relevante Befunde oder Informationen schneller verfügbar sind.
  • Push-Nachrichten: Versicherte erhalten Hinweise zu neuen Dokumenten, Zugriffen oder Aktionen in ihrer ePA.
  • Sekundärnutzung von Daten: Pseudonymisierte ePA-Daten können unter rechtlichen Vorgaben für Forschungszwecke nutzbar gemacht werden.

Die Vorteile und Ziele der ePA für alle

Die ePA für alle soll Gesundheitsinformationen dort verfügbar machen, wo sie im Versorgungsalltag gebraucht werden: in Praxen, Kliniken, Apotheken, Pflegeeinrichtungen und bei den Versicherten selbst. Ziel ist eine bessere Abstimmung zwischen allen Beteiligten, weniger Informationsverluste und eine sicherere Behandlung auf Basis vollständigerer Daten.

Automatische Einrichtung der ePA

Mit der automatischen Einrichtung soll die elektronische Patientenakte deutlich stärker in der Versorgung ankommen als bisher. Statt die ePA aktiv beantragen zu müssen, erhalten gesetzlich Versicherte seit 2025 automatisch eine Akte.

Gesundheitsdaten an einem Ort bündeln

Wichtige Gesundheitsdaten und Patientendaten werden an einem zentralen, geschützten Ort gebündelt. Dazu gehören zum Beispiel Befunde, Arztbriefe, Medikationsinformationen, Laborwerte oder weitere behandlungsrelevante Dokumente. Versicherte können die ePA als digitalen Aktenordner verstehen, der sie über lange Zeit begleitet.

Der Nutzen zeigt sich besonders bei Arztwechseln, Umzügen, Krankenhausaufenthalten oder komplexen Krankheitsverläufen. Informationen müssen nicht jedes Mal neu zusammengesucht werden, sondern können im Behandlungskontext schneller bereitstehen. Das reduziert Rückfragen, vermeidet Informationslücken und erleichtert eine kontinuierliche Versorgung.

Behandlungskontext statt Einzel-Freigabe

Mit der elektronischen Patientenakte für alle wird der Zugriff stärker am konkreten Behandlungskontext ausgerichtet. Leistungserbringer sollen relevante Informationen dann nutzen können, wenn sie für die aktuelle Behandlung benötigt werden.

Das erleichtert die Anamnese, reduziert die Abhängigkeit vom Erinnerungsvermögen der Patienten und kann Doppeluntersuchungen vermeiden. Auch in der Notfallversorgung helfen Notfalldaten und Angaben zu Vorerkrankungen, Allergien, Medikamenten oder Notfallkontakten, schneller und gezielter zu handeln.

Medikationsübersicht und Arzneimitteltherapiesicherheit

Ein großer Vorteil der ePA für alle ist die elektronische Medikationsliste. Sie wird aus dem E-Rezept-Fachdienst befüllt und enthält wichtige Angaben zu verordneten Arzneimitteln, etwa Handelsname, Wirkstoff, Wirkstärke und Dosierung.

Gerade bei Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen, schafft die Medikationsübersicht mehr Transparenz. Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser können schneller erkennen, welche Arzneimittel bereits verordnet oder abgegeben wurden. Das verbessert die Abstimmung zwischen den Beteiligten und unterstützt die Arzneimitteltherapiesicherheit.

Langfristig soll die ePA dabei helfen, Wechselwirkungen, Doppelverordnungen und Medikationsfehler besser zu vermeiden. Damit wird sie nicht nur zur Dokumentenablage, sondern zu einem praktischen Werkzeug für eine sicherere und besser koordinierte Versorgung.

Wer ist von der ePA für alle betroffen?

Die elektronische Patientenakte für alle betrifft nicht nur Versicherte, sondern nahezu alle Akteure im Gesundheitswesen. Entscheidend ist dabei: Die elektronische Patientenakte verändert sowohl die Speicherung von Gesundheitsdaten, als auch den Zugriff, die Dokumentation und die Zusammenarbeit im Versorgungsalltag.

Versicherte und Patienten

Für gesetzlich Versicherte wird die ePA automatisch eingerichtet, sofern sie nicht widersprochen haben. Sie können ihre Gesundheitsdaten über die ePA-App einsehen, Zugriffe verwalten und Dokumente bei Bedarf ausblenden oder löschen.

Damit erhalten Patienten mehr Transparenz über ihre eigene Behandlung. Gleichzeitig bleibt die Nutzung kontrollierbar: Wer die ePA nicht nutzen möchte, kann widersprechen oder einzelne Berechtigungen gezielt steuern.

Arztpraxen und physiotherapeutische Praxen

Arztpraxen und physiotherapeutische Praxen gehören zu den zentralen Nutzern der ePA. Sie können relevante Dokumente einsehen, neue Informationen einstellen und die Akte im Behandlungskontext nutzen.

Im Praxisalltag verbessert das die Informationsgrundlage, da Befunde, Arztbriefe, Medikationsdaten oder Vorbehandlungen schneller verfügbar sind. Gleichzeitig steigen mit der Einführung der ePA die Anforderungen an Software, Zugriffsmanagement und Abläufe.

Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen

Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen profitieren besonders von einer besseren Datenverfügbarkeit bei Aufnahme, Entlassung und Weiterbehandlung. Relevante Informationen aus der ePA können helfen, Behandlungsentscheidungen schneller und sicherer zu treffen.

Wichtig ist die ePA vor allem an Schnittstellen: z.B. bei der Überleitung aus dem Krankenhaus in die ambulante Versorgung oder beim Start einer Reha-Maßnahme. Entlassbriefe, Befunde und Medikationsinformationen können dadurch strukturierter weitergegeben werden.

Apotheken

Apotheken sind vor allem im Zusammenhang mit der elektronischen Medikationsliste und dem E-Rezept betroffen. Sie können Medikationsdaten nutzen, um Wechselwirkungen, Doppelverordnungen oder Unklarheiten bei der Einnahme besser zu erkennen.

Damit wird die ePA zu einem wichtigen Baustein für mehr Arzneimitteltherapiesicherheit. Gleichzeitig müssen Apotheken sicherstellen, dass Zugriffe datenschutzkonform erfolgen und sensible Gesundheitsdaten nur im notwendigen Behandlungskontext genutzt werden.

Pflegeeinrichtungen und weitere Leistungserbringer

Auch Pflegeeinrichtungen und weitere Leistungserbringer werden stärker in die digitale Versorgung eingebunden. Für sie kann die ePA wichtige Informationen zu Diagnosen, Medikamenten, Vorbefunden oder Behandlungsverläufen bereitstellen.

Gerade in der Pflege kann das Informationsverluste reduzieren, zum Beispiel bei Übergaben, Arztkontakten oder Krankenhausaufenthalten. Voraussetzung ist jedoch, dass die technische Anbindung, die internen Prozesse und der Umgang mit Zugriffsrechten klar geregelt sind.

Technische Voraussetzungen für die ePA-Nutzung

Damit Leistungserbringer die ePA für alle im Versorgungsalltag nutzen können, müssen bestimmte technische Voraussetzungen und Rahmenbedingungen erfüllt sein. Grundlage ist eine funktionierende Anbindung an die Telematikinfrastruktur, über die der sichere Zugriff auf die elektronische Patientenakte erfolgt.

Für Praxen sind insbesondere folgende Komponenten relevant:

  • Anbindung an die Telematikinfrastruktur
  • Konnektor ab Stufe PTV 5 oder eine entsprechend zugelassene TI-Lösung
  • PVS-Modul für ePA 3.0 mit aktueller KOB-Zertifizierung

Entscheidend ist, dass die ePA nicht isoliert genutzt wird, sondern in die vorhandene Praxissoftware eingebunden ist. Nur wenn Konnektor (bzw. TI-Gateway), Praxisverwaltungssystem und TI-Anbindung aktuell sind, können Dokumente abgerufen, eingestellt und im Behandlungskontext sicher nach den Sicherheitsstandards verarbeitet werden.

Nutzung der ePA App

Versicherte greifen in der Regel über die ePA-App ihrer Krankenkasse auf die elektronische Patientenakte zu. Dort können sie Gesundheitsdaten einsehen, Dokumente verwalten, Zugriffe steuern und nachvollziehen, welche Leistungserbringer auf Inhalte zugegriffen haben.

Der Zugang ist auch ohne Smartphone möglich. Versicherte können die ePA über einen Computer nutzen oder eine Stellvertretung einrichten, zum Beispiel für Angehörige. Das ist besonders relevant für ältere Menschen, pflegebedürftige Personen oder Versicherte, die ihre Akte nicht selbst digital verwalten möchten.

Für die Anmeldung gelten hohe Sicherheitsanforderungen. Bei der erstmaligen Registrierung erfolgt die Authentifizierung über den elektronischen Personalausweis mit PIN oder über die elektronische Gesundheitskarte mit zugehöriger PIN. Für spätere Logins können je nach Gerät weitere Verfahren genutzt werden, etwa Gesichtserkennung oder andere sichere Identifizierungsformen.

Häufige Fragen und Antworten

Was ist die ePA für alle?

Die ePA für alle ist die elektronische Patientenakte im Opt-out-Verfahren. Seit 2025 wird gesetzlich Versicherten automatisch eine ePA durch ihre Krankenkasse bereitgestellt, sofern sie nicht widersprochen haben. Sie bündelt wichtige Gesundheitsdaten und macht sie im Behandlungskontext für berechtigte Leistungserbringer nutzbar.

Hat jeder automatisch eine elektronische Patientenakte?

Gesetzlich Versicherte erhalten automatisch eine elektronische Patientenakte, wenn sie der Einrichtung nicht widersprochen haben. Auch Kinder und Jugendliche bekommen eine ePA. Ab dem 15. Lebensjahr können Jugendliche eigenständig über die Nutzung entscheiden. Privatversicherte können ebenfalls eine ePA erhalten, sofern ihre Versicherung diese anbietet.

Wird die ePA automatisch befüllt?

Die ePA wird teilweise automatisch befüllt, z.B. durch die elektronische Medikationsliste, die Informationen aus dem E-Rezept-Fachdienst übernimmt. Weitere medizinische Dokumente wie Befundberichte, Arztbriefe oder Laborwerte werden durch Leistungserbringer im Behandlungskontext eingestellt. Versicherte können Inhalte zusätzlich über die App zur Verfügung stellen und verwalten, ausblenden oder löschen.

Wie können Versicherte auf die ePA zugreifen?

Versicherte können über die ePA-App ihrer Krankenkasse zur Verwaltung auf ihre elektronische Patientenakte zugreifen. Alternativ ist die Nutzung über einen Computer möglich. Für die erstmalige Anmeldung ist eine sichere Authentifizierung erforderlich, zum Beispiel mit elektronischem Personalausweis und PIN oder mit elektronischer Gesundheitskarte und PIN.

Häufige Fragen und Antworten

Wie funktioniert die Telematikinfrastruktur?
Die Telematikinfrastruktur (TI) verbindet alle Akteure des deutschen Gesundheitswesens über ein sicheres, geschlossenes Netzwerk. Der Datenaustausch erfolgt ausschließlich verschlüsselt – über den Konnektor / das TI-Gateway, den VPN-Zugangsdienst und zertifizierte Anwendungen wie KiM oder TI-Messenger. So können Praxen, Kliniken, Apotheken und andere Einrichtungen medizinische Informationen sicher austauschen.
Was braucht man für den Anschluss an die

Telematikinfrastruktur?
Für den Anschluss an die TI sind mehrere technische Komponenten erforderlich: ein Konnektor oder ein TI-Gateway zur sicheren Verbindung, Kartenterminals zum Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte, ein Praxisausweis (SMC-B) und ein elektronischer Heilberufsausweis (eHBA) zur Authentifizierung. Hinzu kommen eine TI-kompatible Praxissoftware und ein KiM-Dienst für die verschlüsselte Kommunikation.
Was ist Telematik einfach erklärt?
Telematik bedeutet die Verbindung von Telekommunikation und Informatik. Im Gesundheitswesen ermöglicht sie den sicheren digitalen Austausch sensibler Gesundheitsdaten zwischen Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und weiteren Beteiligten. Die Telematikinfrastruktur ist also das digitale Rückgrat des Gesundheitswesens.

Häufige Fragen und Antworten

Mehr zur TI

Erhalte tiefere Einblicke in aktuelle Entwicklungen, Anwendungen und Herausforderungen der Telematikinfrastruktur. Entdecke unsere weiteren Blogartikel.

This is some text inside of a div block.