KGG-Rezept: Krankengymnastik am Gerät auf Verordnung

September 29, 2026

KGG-Rezept: Krankengymnastik am Gerät auf Verordnung
KGG-Rezept: Krankengymnastik am Gerät auf Verordnung

KGG-Rezept – Auf einen Blick

  • Was ist ein KGG-Rezept? Ein KGG-Rezept ist eine ärztliche Verordnung für angeleitetes physiotherapeutisches Training an Geräten.
  • Für wen eignet sich KGG? KGG kommt bei eingeschränkter Kraft, Dysbalancen oder Belastbarkeit infrage, sofern die Diagnose eine Verordnung von KG-Gerät erlaubt.
  • Wie läuft eine KGG-Behandlung ab? Eine Therapieeinheit dauert in der Regel 60 Minuten; bis zu drei Personen trainieren parallel nach individuellen Plänen.
  • Wie hoch ist die Zuzahlung? Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen zehn Prozent der Behandlungskosten plus zehn Euro je Verordnung, sofern sie nicht befreit sind.
  • Wann wird das KGG-Rezept digital? Die TI-Anbindung wird für Physiotherapeuten im Oktober 2027 Pflicht; die elektronische Heilmittelverordnung ist laut gematik für das erste Halbjahr 2028 geplant.

Was ist ein KGG-Rezept?

Bei der Krankengymnastik am Gerät (KGG) trainieren Patienten selbst an Seilzügen und anderen Trainingsgeräten mit Gewichten. Die Trainingstherapie folgt einem individuellen Behandlungsplan: Therapeuten legen für die Einzeltherapie Übungen und Belastung fest, korrigieren die Ausführung und passen das Training an den Verlauf an. So sollen Muskulatur, Leistungsfähigkeit, Kraftausdauer und Bewegungsabläufe im Alltag verbessert sowie die Schmerzreduktion gefördert werden.

Der Arzt legt auf der Verordnung unter anderem das Heilmittel, die Anzahl der Behandlungen und die Therapiefrequenz fest. Die Regelbehandlungszeit beträgt 60 Minuten. Ohne Kennzeichnung als dringlich muss die Behandlung innerhalb von 28 Kalendertagen nach Ausstellung beginnen und bei dringlichem Behandlungsbedarf innerhalb von 14 Tagen.

Was ist gerätegestützte Krankengymnastik?

Bei der Krankengymnastik am Gerät (KGG) trainieren Patienten in einer dafür zugelassenen Physiotherapiepraxis an Seilzug- und Trainingsgeräten. Die behandelnde Person legt Übungen und Belastung fest und korrigiert die Ausführung beim Krafttraining. Ein individueller Behandlungsplan passt das Training an die körperlichen Möglichkeiten und den Therapieverlauf an. Ziele der Behandlungsform sind mehr Muskelkraft, Kraftausdauer und bessere Bewegungsabläufe im Alltag.

Unterschied zwischen normaler Krankengymnastik und Krankengymnastik am Gerät (KGG)

Allgemeine Krankengymnastik (KG) umfasst je nach Befund aktive Übungen und passive Maßnahmen. Bei KGG steht das angeleitete Training an Geräten im Mittelpunkt. KG und KG-Trainingsgeräte sind eigenständige Heilmittel. Die jeweilige Therapieform muss auf der Verordnung erkennbar sein.

Für wen ist KGG geeignet?

Krankengymnastik am Gerät kommt infrage, wenn Muskelkraft, Kraftausdauer oder Bewegungsabläufe gezielt verbessert werden sollen. Ob KG-Gerät verordnet werden kann, hängt von der Diagnose und den körperlichen Einschränkungen ab. Typische Anwendungsgebiete sind:

  • Nach Verletzungen oder Operationen: beispielsweise nach einem Knochenbruch, einer Kreuzband-OP oder einem Gelenkersatz, wenn der Körper wieder Kraft und Belastbarkeit aufbauen soll.
  • Bei Rücken- und Gelenkbeschwerden: unter anderem bei Wirbelsäulenproblemen oder Arthrose mit eingeschränkter Muskelfunktion.
  • Bei verminderter Belastbarkeit: z.B. nach längerer körperlicher Schonung, sofern die zugrunde liegende Diagnose eine Verordnung von KG-Gerät erlaubt.

Bei Parkinson, Multipler Sklerose, nach einem Schlaganfall oder bei Nervenverletzungen lässt sich KGG nicht allein aufgrund der Erkrankung verordnen. Für die entsprechenden neurologischen Diagnosegruppen führt der Heilmittelkatalog andere physiotherapeutische Maßnahmen auf.

Ablauf einer KGG-Therapie

Zu Beginn erfasst der Physiotherapeut die Beschwerden und erstellt einen individuellen Trainingsplan. Beim anschließenden Einzeltraining trainieren bis zu drei Personen parallel an Geräten, jeweils mit eigenen Übungen und angepasster Belastung. Die Regelbehandlungszeit beträgt 60 Minuten pro Person.

Eine Einheit kann ein kurzes Aufwärmen und Abwärmen umfassen; zentraler Bestandteil ist das angeleitete Gerätetraining. Die behandelnde Person erklärt die Bewegungen, legt Belastung und Wiederholungen fest und korrigiert die Ausführung. Treten dabei starke Schmerzen, Schwindel oder andere ungewöhnliche Beschwerden auf, sollten Patienten das Training unterbrechen und dies sofort ansprechen.

Bei Wirbelsäulen- sowie Extremitäten- und Beckenerkrankungen können bis zu sechs Einheiten pro Verordnung ausgestellt werden; der Heilmittelkatalog empfiehlt meist ein bis drei Termine wöchentlich. Die 18 Einheiten je Verordnungsfall sind eine orientierende Behandlungsmenge: Ist das Therapieziel noch nicht erreicht, ist bei medizinischer Notwendigkeit eine weitere Verordnung möglich.

Je nach Diagnose können Krankengymnastik, Manuelle Therapie und KG-Gerät zusammen verordnet werden und die Behandlungseinheiten werden auf die Heilmittel aufgeteilt. Bei komplexen Beschwerden kommt gegebenenfalls eine D1-Verordnung infrage, die mindestens drei physiotherapeutische Maßnahmen in einer Behandlungseinheit kombiniert.

Kosten KGG: Wer zahlt die Krankengymnastik am Gerät?

Liegt eine ärztliche Verordnung vor, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für das KG-Gerät. Versicherte ab 18 Jahren zahlen zehn Prozent der Behandlungskosten plus zehn Euro je Verordnung. Kinder und Jugendliche sind von dieser Zuzahlung befreit.

Beispiel für 2026: Eine KGG-Einheit wird mit 55,81 Euro vergütet. Bei sechs Einheiten betragen die Behandlungskosten 334,86 Euro und die gesetzliche Zuzahlung einschließlich der zehn Euro je Verordnung rund 43,50 Euro. Wer eine gültige Zuzahlungsbefreiung hat, legt den Nachweis in der Praxis vor und zahlt keine gesetzliche Zuzahlung.

Für Privatversicherte gibt es keine einheitliche Gebührenordnung für physiotherapeutische Heilmittel. Die Praxis legt ihren Preis fest. Wie viel die private Krankenversicherung erstattet, hängt vom Tarif ab. Deshalb ist es sinnvoll, den Preis und die Erstattung vor Behandlungsbeginn zu klären.

Das KGG-Rezept und die Telematikinfrastruktur

Ein KGG-Rezept wird derzeit auf dem Papierformular Muster 13 ausgestellt. Für Physiotherapiepraxen wird die Anbindung an die Telematikinfrastruktur ab dem 1. Oktober 2027 verpflichtend. Das ist nicht zugleich der Starttermin für digitale KGG-Rezepte: Die gematik plant die elektronische Heilmittelverordnung nach ihrer aktuellen Roadmap für das erste Halbjahr 2028.

Praxen können sich bereits freiwillig an die TI anschließen. Über KiM lassen sich beispielsweise Therapieberichte und Rückfragen sicher an Arztpraxen übermitteln. Bei bestehender Zugriffsberechtigung können Heilmittelerbringende außerdem relevante Informationen aus der elektronischen Patientenakte (ePA) einsehen.

Für den TI-Anschluss benötigt die Praxis unter anderem einen Heilberufsausweis, eine Institutionsidentität, ein Kartenterminal sowie einen Zugang über Konnektor oder TI-Gateway. Eine geeignete Praxissoftware bindet die Anwendungen in den Arbeitsalltag ein. Sobald elektronische Heilmittelverordnungen verfügbar sind, sollen Verordnungsdaten digital verarbeitet und Rückfragen zu Korrekturen einfacher abgestimmt werden können.

Häufige Fragen und Antworten

Was bedeutet "KGG auf Rezept"?

„KGG auf Rezept“ bedeutet, dass ein Arzt Krankengymnastik am Gerät verordnet. Im Heilmittelkatalog heißt diese Leistung „KG-Gerät“. Die Übungen erfolgen nach einem individuellen Trainingsplan unter physiotherapeutischer Anleitung.

Wie hoch ist die Zuzahlung bei KGG?

Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen zehn Prozent der Behandlungskosten plus zehn Euro je Verordnung, sofern sie nicht von der Zuzahlung befreit sind. Die genaue Summe hängt von der Anzahl der verordneten Einheiten ab.

Wie lange dauert eine KGG-Behandlung?

Die Regelbehandlungszeit beträgt 60 Minuten pro Person. Dazu gehören das Training nach individuellem Plan und ein kurzes Aufwärm- und Abwärmprogramm. Ein Physiotherapeut kann dabei bis zu drei Personen parallel betreuen.

Lisa Küpper

Lisa Küpper

Business Development Spezialist

Telekonnekt GmbH

Häufige Fragen und Antworten

Wie funktioniert die Telematikinfrastruktur?
Die Telematikinfrastruktur (TI) verbindet alle Akteure des deutschen Gesundheitswesens über ein sicheres, geschlossenes Netzwerk. Der Datenaustausch erfolgt ausschließlich verschlüsselt – über den Konnektor / das TI-Gateway, den VPN-Zugangsdienst und zertifizierte Anwendungen wie KiM oder TI-Messenger. So können Praxen, Kliniken, Apotheken und andere Einrichtungen medizinische Informationen sicher austauschen.
Was braucht man für den Anschluss an die

Telematikinfrastruktur?
Für den Anschluss an die TI sind mehrere technische Komponenten erforderlich: ein Konnektor oder ein TI-Gateway zur sicheren Verbindung, Kartenterminals zum Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte, ein Praxisausweis (SMC-B) und ein elektronischer Heilberufsausweis (eHBA) zur Authentifizierung. Hinzu kommen eine TI-kompatible Praxissoftware und ein KiM-Dienst für die verschlüsselte Kommunikation.
Was ist Telematik einfach erklärt?
Telematik bedeutet die Verbindung von Telekommunikation und Informatik. Im Gesundheitswesen ermöglicht sie den sicheren digitalen Austausch sensibler Gesundheitsdaten zwischen Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und weiteren Beteiligten. Die Telematikinfrastruktur ist also das digitale Rückgrat des Gesundheitswesens.

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